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| Inspiration

Freunde aus Holz

Holzbildhauerei – am Anfang steht ein Gefühl

Ein Kunstwerk berührt, regt an zum Gespräch und zur Auseinandersetzung mit einer Idee oder einem Thema.
Michael Pickls Holzskulpturen fallen auf mit ihrem stillen Humor, der sanften Schönheit und starken
Ausdruckskraft.

Er sieht sich in erster Linie als Künstler, weniger als Holzbildhauer. Holz ist für ihn Mittel zum Zweck: „Ich mag
Holz, weil es einfach stehen bleibt und nicht wegrutscht wie Ton. Die Maserung und Farbe des Holzes spielt auch
mit rein. Aber Holz ist einfach das geeignete Medium mit dem ich zeigen kann, was ich will.“

Am Anfang einer Arbeit steht für Michael Pickl ein Gefühl, eine Ahnung. „Vor meinem inneren Auge sehe ich,
meist eher vage, wie die Figur aussehen könnte. Und dann begebe ich mich auf die Suche danach im Holz. Meist
verwende ich Lindenholz, weil es farblich fast dem natürlichen Hautton entspricht.“

Sein Handwerk bringt sich Michael Pickl ganz früh selbst bei. „Da war ein biss ‘l Werkzeug von meiner Mutter da.
Ich habe dann immer weiter Holzfiguren geschnitzt. Und irgendwann habe ich das Handwerk gelernt in der
Fachschule für Holzbildhauerei in Oberammergau für 3 Jahre. Man denkt, dass dort nur Herrgottsfiguren
geschnitzt werden. Aber ich habe in der ganzen Zeit keinen einzigen Christus geschnitzt.“ An der Akademie der
bildenden Künste in Nürnberg geht es weiter mit dem Studium der Bildhauerei. Michael Pickl modelliert dort
lebensgroße Aktmodelle. „Das war wichtig, um die Figur als solche wirklich zu lernen.“

Und manchmal gibt es ihn, den „magischen“ Moment. Dann geht alles wie von selber. „Meist aber ist es ein
langer Prozess: Arbeiten, wegstellen – manchmal zwei Monate – dann mit frischem Blick wieder rangehen. Eine
Skulptur ist erst fertig, wenn mir nichts mehr daran auffällt, das mich noch stört. Das ist meine
Herangehensweise.“ Michael Pickl geht es um das Künstlerische und Authentische seiner Skulpturen: „Ich mag es,
wenn die Figuren um ihrer selbst willen begehrt werden, das freut mich.“

 

Fotos: Michael Pickl
Interview und Text: Anja Theßenvitz

 

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