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Dynamisches Sitzen

Das Wiener Unternehmen MOWO stellt ergonomische Designmöbel her

Im Zeitalter der Schreibtischtätigkeit sind Rückenschmerzen und Verspannungen längst zu Volkskrankheiten geworden. Da sollen ausgerechnet Stühle ohne Lehne Abhilfe schaffen? Lisa Stolz kennt die Skepsis nur zu gut: „Für viele Menschen ist Sitzen ohne Rückenlehne zunächst ungewohnt – wir sind den Komfort klassischer Bürostühle gewohnt“. Die Architektin und Möbeldesignerin hat 2021 „MOWO, move with wood” gegründet und tüftelt seitdem an der Konstruktion von Möbeln, die „dynamisches Sitzen“ ermöglichen.

Die Idee entstand, als sich Lisa Stolz auf die Bewerbung für ein Masterstudium an der University of the Arts London vorbereitete: „Ich wollte ein Möbelstück entwickeln, das Holz auf eine ungewohnte Weise nutzt – nicht als starres, sondern als weiches, fast polsterartiges Material. Der Gedanke, Holz elastisch und nachgiebig einzusetzen, hat mich fasziniert“.

Einser, Achter und geflochtenes Holz

Es folgten intensive Recherchen zum Thema Komfort und Ergonomie. Im Mittelpunkt stand dabei immer eine Frage: Wie kann man Holz „weich“ und biegbar machen? Nach zahlreichen Testobjekten entstanden die beiden Möbellinien Aera – geflochtene, polsterähnliche Objekte, die sich auseinanderziehen und zusammenschieben lassen (ab 850 Euro) – und eine kompakte Hockerserie (ab 385 Euro), die aus den Modellen „Einser“, „Achter“ und „Vivi“ besteht.

Aktives Sitzen bringt Muskeln in Schwung

„Die MOWO-Hocker sind entstanden als Verbindung aus Materialforschung, funktionalem Design und dem Anspruch, die Bedürfnisse unseres Körpers so gut wie möglich zu unterstützen – besonders beim langen Sitzen“, erklärt Lisa Stolz und weist auf die gesundheitlichen Aspekte hin, die gerade die Hocker besonders gut veranschaulichen: Das aktive Sitzen („Fidgeting“) regt Muskeln und Durchblutung an und beugt dadurch Verspannungen und Rückenschmerzen vor. Und es wirkt sich positiv auf die Konzentration aus, denn: Bewegung fördert nicht nur die Muskeln, sondern auch das Gehirn. „Unter Fidgeting versteht man kleine, kontinuierliche Bewegungen beim Sitzen, die das Bedürfnis nach Bewegung ausgleichen und die Konzentration unterstützen können“, ergänzt Lisa Stolz.

Wippen, Federn und Schwingen

Um dieses aktive Sitzen zu ermöglichen, muss das Holz entsprechende Eigenschaften besitzen. MOWO verwendet deshalb Birken- und Buchenholzfasern, die über eine hohe Biegefestigkeit verfügen. Daraus wird ein spezielles Formsperrholz gefertigt, das sich an die individuellen körperlichen Bedürfnisse des Kunden anpasst und unter Belastung elastisch reagiert. Das ist besonders wichtig, um die ergonomischen Kapazitäten der Hocker voll auszuschöpfen: Wippen, Federn und Schwingen laden dazu ein, die Haltung zu variieren und den Körper somit in Bewegung zu halten.

Druck und Wärme erzeugen die gebogene Form

Im Produktionsprozess werden mehrere Lagen Holzfurniere mit einer Deckschicht aus Eiche oder Walnuss kreuzweise verleimt, hydraulisch gepresst und unter Druck und Wärme in die gebogene Sperrholzform gebracht. Danach ist Abkühlen angesagt, bevor die Hocker auf einer CNC-Maschine im Feinschliff ihre finale Form bekommen. Am Schluss erhält das Holz eine Schutzlackierung, die die natürliche Haptik und Maserung hervorhebt.

Herstellung im griechischen Familienbetrieb

Hergestellt werden die Produkte von einem griechischen Familienbetrieb, der einen verantwortungsvollen, nachhaltigen Prozess in der gesamten Lieferkette gewährleistet. Der Großteil der Produktionsabfälle wird an ein Recyclingunternehmen verkauft, das sie u. a. zu Spanplatten und Pellets weiterverarbeitet.

Mittlerweile bietet MOWO auch ein Wandregal, Sitzkissen und Kartenetuis an. Wer sich das Angebot gerne „live“ anschauen will, kann einen der zahlreichen MOWO-Showrooms besuchen, die es auch in Deutschland gibt.

 

MOWO, move with wood
https://mowo.studio/

Fotos: Lisa Stolz
Interview und Text: Christian Rief

 

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