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| Inspiration

Schwingungen und Töne, Klang und Bild, Ordnung und Chaos

„Silberne Klangbilder“ die Schweizer Kunstlerin Barbara Amstutz regt die Sinne an

Faszinierende Silberobjekte – anziehend in ihrer Form und irritierend in ihrer Aussage. Was bedeuten diese ästhetischen Silberschalen? Man wendet sich fragend der Künstlerin zu und erfährt eine große Geschichte:

Es sind Klangbilder, festgehalten auf Stahlplatten, die in den Schalen ruhen. Berührt man die Schalen geraten sie in Bewegung, pendeln nach einiger Zeit wieder aus.

Die Arbeit geht zurück auf die Neugier von Barbara Amstutz, die Erkenntnisse des Naturwissenschaftlers Chladni mit ihrer Kunst umzusetzen.

Ernst Florens Chladni (1756 bis 1827), Jurist mit großer Liebe zu naturwissenschaftlichen Studien, gelang es, Töne sichtbar zu machen. Dazu bestreute er eine Metallplatte mit Sand und setzte sie mit einem Geigenbogen, den er am Rand entlang strich, in Bewegung. Er entdeckte, dass sich der Sand auf der vibrierenden Platte zu eigenartigen Mustern anordnete – den Chladnischen Klangfiguren. Chladnis Erkenntnisse sind auch heute Grundlage in der Konzertsaalarchitektur, im Geigen- und Gitarrenbau.

Die Chladnischen Klangfiguren sind ein Sujet, dem Barbara Amstutz in ihrer Arbeit begegnet, dem Zusammenhang zwischen Schwingungen und Tönen, Klang und Bild, Ordnung und Chaos. „Bei meiner Arbeit als Gold- und Silberschmiedin habe ich sehr direkt mit den physikalischen und chemischen Eigenschaften der Metalle zu tun. Auch das Ohr arbeitet, vor allem beim Schmieden, immer mit.“ Nach ersten Arbeiten mit Radierungen suchte Barbara Amstutz nach einem Volumen, einem Körper zu dem im Bild sichtbar gewordenen Ton. Es entstanden die Chladni-Schalen.

Barbara Amstutz lebt und arbeitet im traditionsreichen Reigoldswil im Kanton Basel-Landschaft. Sie entwirft ihre Silberobjekte selbst. „Da gibt es drei Faktoren, die für mich wichtig sind: Das eine ist die Formgebung, das andere ist der Herstellungsprozess, die Technik, und das dritte ist das Material Silber natürlich. Zwischen diesen drei Polen versuche ich das Gleichgewicht zu finden. Die Formgebung muss der Funktion entsprechen. Damit man das Objekt gebrauchen kann. Als Silberschmiedin muss ich schauen, dass ich auf dem schnellsten Weg dorthin komme, wo ich möchte. Der Herstellprozess muss ideal verlaufen, es muss einwandfrei gearbeitet werden.“

Barbara Amstutz’ Kunden sind oft erstaunt, dass es modernes Silber gibt. „Die meisten kennen es nur in der traditionellen Form z.B. als Silberbesteck. Meine Stücke sind Einzelstücke, oft Kleinstserien. Häufig sieht man Werkspuren daran, der Fertigungsprozess ist also erkennbar. Dadurch bekommen die Objekte eine besondere Sinnlichkeit und eine eigene Ausstrahlung. Ich versuche Grenzen auszuloten. Es ist für mich spannend, mit traditionellen Techniken und Werkzeugen zu arbeiten. Aus dieser handwerklichen Tradition heraus versuche ich gestalterisch neue Formen mit dem Material Silber zu finden. Diese Ambivalenz ist es auch, die meine Kundinnen und Kunden anzieht: das Moderne, das unserer Zeit entspricht, durch den handwerklichen Entstehungsprozess verbunden mit einem Werkstoff, der eher im Traditionellen verhaftet ist.

 

www.barbaraamstutz.ch

Foto: Christopher Gmuender
Text: Anja Theßenvitz

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